Beziehung

On-Off-Beziehungen: Lösungsansätze zum Auf und Ab der Gefühle!

Nur mal angenommen, du hast dich von deinem neuen Partner in zwei Jahren schon vier Mal getrennt. Ihr liebt euch sehr, aber es kommt immer wieder zu heftigen Streits, die irgendwann so sehr eskalieren, dass einer von euch das Handtuch wirft. Dann ist zwei bis drei Wochen Pause – und das Spiel beginnt von vorne.
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Foto: Wavebreakmedia / Depositphotos.com

So etwas nennt man eine On-Off-Beziehung.

Nach einer Weile sind beide Partner ziemlich ermüdet von dem ständigen hin und her. Mal ist der Schalter auf On – und dann ist er plötzlich wieder auf Off.

Fragt sich:

Muss das eigentlich sein, oder kann man etwas dagegen tun?

On-Off-Beziehungen sind für Paare die damit leben eine große Belastung. Gerade noch fühlt sich die Partnerschaft richtig gut an – und plötzlich geht es hoch her.

Die Beziehung steht in Frage.

Das ist nicht das, was wir in einer Partnerschaft wollen. Wir suchen Beständigkeit.

Der andere und die Beziehung zu ihm soll verlässlich sein.

Ist es aber nicht möglich auf den Bestand einer Beziehung zu vertrauen, dann zerstört das auf Dauer die schönste Liebe.

Woher kommt nun dieser schnelle Wechsel zwischen On und Off?

Einer der Gründe liegt in der Regel im Bereich der Sexualität. On-Off-Paare erleben in ihrer Sexualität häufig einen wahren Rausch der Gefühle.

So guten Sex hatten sie noch nie!

Wenn zwei Menschen sehr guten Sex miteinander haben, dann bindet sie das aneinander. So ist das nun mal bei der menschlichen Sexualität.

Beim Sex werden Bindungshormone ausgeschüttet – besonders viele davon gibt es beim Orgasmus. Es ist ein wahres Bad in Bindungshormone. Jetzt kann sich keiner vorstellen, dass es jemals anders sein könnte.

Dummerweise bleibt es aber im Verlauf einer Beziehung nicht bei diesem Hochgefühl. Im Alltag gibt es bei jedem Paar auch mal Missverständnisse und Enttäuschungen.

Bei vielen Paaren führt das dann zu Streit. Völlig normal.

Aus dem siebten Himmel auf den Boden der Tatsachen

Bei On-Off-Paaren ist dieser Streit allerdings besonders heftig. Das ist zunächst einmal verständlich.

Sie fallen aus dem siebten Himmel ihrer Gefühle recht unsanft auf den Boden der Tatsachen.

Und die lauten nun mal, dass zwei Menschen immer verschieden sind und unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Interessen haben.

Über diese Unterschiede müssten sie jetzt verhandeln – und das fällt ihnen schwer.

Das Schuldspiel vermeiden

On-Off-Paare neigen leider dazu, für den Absturz ihrer Gefühle nicht die Unterschiede zwischen ihnen verantwortlich zu machen.

Sie spielen vielmehr das Schuldspiel.

Das bedeutet, dass sie im Fall eines Konfliktes davon ausgehen: Der andere ist Schuld. Beide Partner machen das – und das macht eine Verständigung natürlich sehr schwer.

Unterstellung von Defekten

Oft wird dem Gegenüber sogar ein besonders schwerer Defekt unterstellt.

Der Mann sieht die Frau dann als einen Fall einer schweren Borderline-Störung.

Oder die Frau kann den Mann nur noch als einen unverbesserlichen Narzisten wahrnehmen. Der andere ist krank. Er hat einen psychischen Schaden.

Solche Erklärungen sind fatal, denn damit verschwindet die Chance, die Schwierigkeiten der beiden zu bewältigen.

Sieht jeder im anderen einen klinischen Fall, dann ist die Liebe so gut wie verloren. Die Beziehung stirbt – an einem Übermaß an Kritik.

Der andere hat ein psychisches Problem – ich kann dich vor dieser Sicht nur warnen. Die Gründe für Ihre Abstürze liegen anderswo.

Sie liegen in den Unterschieden zwischen ihnen beiden.

Zwei Menschen sind immer unterschiedlich.

Das müssen Sie beide begreifen – auch wenn der Sex noch so schön und so überwältigend ist und sie immer wieder dazu verleitet, die Liebe für ein Gefühl zu halten, bei dem man sich ohne Worte immerzu perfekt versteht.

Die Abstürze liegen vermutlich auch daran, dass einer von euch im Konfliktfall zum Mittel der Kritik greift. Reagiert der Andere dann mit einer Gegenkritik, dann ist die Eskalation sehr wahrscheinlich.

Leider.

Die Aufgabe, den anderen zu begreifen, seine Gefühlswelt zu verstehen, ist vor allem in den ersten Jahren einer Partnerschaft eine große Herausforderung.

Unsere Kultur ist uns dabei keine große Hilfe:

Sie predigt uns stets und immer den Mythos von der Großen Liebe – und bestätigt uns damit, dass ein Verstehen des Anderen gar nicht nötig ist.

Das ist schade. Und überhaupt nicht hilfreich.

Tipp von Magdalena Wede – Sexologin/Sexualtherapeutin:
„In meinen Augen ist das Verstehen der inneren Welt des Partners oder der Partnerin der zentrale Kern einer Beziehung. Nur wenn das gelingt, dann bekommt die Beziehung Stabilität. Dann bietet sie uns den Halt, den wir suchen. Diesen kann uns eine leidenschaftliche Sexualität alleine nicht bieten – und sei sie noch so gut.“

Viele On-Off-Paare haben beim Verstehen der inneren Welt des Anderen noch ein weiteres Problem:

Sie haben schon bei der Partnerwahl nicht sonderlich darauf geachtet, dass der andere charakterlich und von seinen Wertvorstellungen her gut zu ihnen passt. Sie haben sich stattdessen auf die große erotische Anziehung zum Anderen verlassen – und sind nun entsetzt, wie schwer es ist, mit ihm zurechtzukommen.
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Auschliesslich auf Sex kann keine Beziehung auf Dauer aufgebaut werden… | Foto: DmitryPoch / Depositphotos.com

Auch dieser Herangehensweise wird uns von unserer Kultur nahegelegt. Die berühmte „Liebe auf den ersten Blick“ – sie besteht zu 90 Prozent aus der erotischen Anziehung zwischen zwei Menschen.

Diese Form des Kennenlernens geht also davon aus, dass es gar nicht erst nötig ist, den anderen und seine innere Welt kennenzulernen.

Nur die Erotik zählt.

Auf diese Weise werden heute oft zwei Menschen ein Paar, die so unterschiedlich sind, dass sie gleichsam von zwei Planeten zu stammen scheinen.

Nein, mit den zwei Planeten sind jetzt nicht etwa die beiden Mars und Venus gemeint – die liegen viel zu nahe beieinander.

Diese Paare scheinen regelrecht von Planeten aus unterschiedlichen Sonnensystemen zu kommen. Oder aus zwei unterschiedlichen Galaxien.

Das spüren sie dann in jedem Streit sehr deutlich – und beenden die Beziehung frustriert.

Oft kommt dann der Katzenjammer. Sie vermissen den tollen Sex – und schon legen sie den Schalter wieder um und sind On.

Überleg dir also gut, ob du dich ernsthaft für die innere Welt deines Partners oder deiner Partnerin interessieren willst und kannst.

Möglicherweise heißt die Antwort auf diese Frage „Ja“. Super. Dann musst du mehr Zeit und mehr Energie darauf verwenden, deinem Partner neugierige Fragen zu stellen.

Und seine Sicht nicht zu be- und nicht zu verurteilen. Auch dein Partner muss sich abgewöhnen, dass was du ihm erzählst zu beurteilen.

Er muss ebenfalls mit Neugier reagieren – wenn es zwischen euch ruhiger und entspannter werden soll.

Heißt die Antwort allerdings „Nein“, dann solltest du es unbedingt beim Off belassen. Mach keinen weiteren Versuch, die Nähe durch leidenschaftlichen Sex wiederherzustellen.

In der Regel nehmen die seelischen Verletzungen bei On-Off-Paaren im Laufe der Zeit zu, weil beide immer frustrierter voneinander sind. Damit ist keinem geholfen.

Achte bei einer endgültigen Trennung bitte unbedingt auf deine Wortwahl. Unterlass bitte alle Schuldzuweisungen.

Die richtige Sprachregelung lautet: Wir beide passen nicht gut zueinander. Das ist schon alles.

Jeder Schuldvorwurf verletzt den Anderen.

Nicht nur du bist enttäuscht, dass es mit der erträumten Partnerschaft für immer und ewig nicht geklappt hat. Deinem Partner oder Ihrer Partnerin geht es ganz genauso.

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