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Vorzeitiger Samenerguss – Was hilft?

Du bist mitten im schönsten Sex, oder hast noch gar nicht penetriert, da kommst du auch schon. Und das passiert dir immer öfter, oder schon seit Längerem? Zu früh kommen kann echt unangenehm sein, und auch die/den Partner/in freut das wenig. Du glaubst, da kann man nichts machen? Weit gefehlt. Hier erklären wir dir, was die Ursachen sind, und was du selber tun kannst, um den Samenerguss zu verzögern!
vorzeitiger Samenerguss
Foto: amixstudio / Depositphotos.com

Du hast unwissentlich ein Muster eintrainiert, aber dein Körper kann auch umlernen.

Wenn du unsere Empfehlungen befolgst, wirst du weniger Stress mit deinem ‚besten Freund‘ haben:

  • entspannungsfokussiertes Beckenbodentraining,
  • variantenreiche Bewegungen beim Sex,
  • Kontrolle und Steuerung der Erregung durch bewusstes Atmen,
  • Nothilfe durch spezielle Stimulationstechniken bzw. Lokalanästhetika

Aber Schritt für Schritt, wir führen dich an der Hand. In diesem Artikel erfährst du:

  • Vorzeitiger Samenerguss ist ein erlerntes Verhaltensmuster und kann umgelernt werden
  • Eine bewusstere Körperwahrnehmung ist dafür von elementarer Bedeutung
  • Atem und variantenreiche Bewegung des Körpers beim Sex sind genauso wichtig wie ein entspannter Beckenboden
  • Übung macht den Meister – und am besten übe anfangs beim Solosex

Dazu musst du folgendes wissen:

Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?

Die vorzeitige Ejakulation (lat. ejaculatio praecox) ist eine sexuelle Funktionsstörung, bei der der Mann so früh kommt, dass kein befriedigender Geschlechtsverkehr stattfinden kann. Entweder kommt es während der ersten Stöße oder schon beim/vor dem Eindringen zum Erguss.

Es wird unterschieden zwischen:

  • primärem (schon immer vorhandenen) und
  • sekundärem (erworbenen) vorzeitigen Samenerguss.

Wie früh ist eigentlich ‚zu früh‘?
Der durchschnittliche Geschlechtsverkehr dauert ca. 5 Minuten, gelegentliches früheres Entladen ist nicht ungewöhnlich, aber noch normal. Da die individuellen Unterschiede sehr groß sind, ist eine Selbstdiagnose ‚Vorzeitiger Samenerguss‘ sehr subjektiv und nicht unbedingt zutreffend. Der Leidensdruck kann trotzdem erheblich sein.

Ursachen für vorzeitigen Samenerguss

Erkrankungen

  • Es gibt durchaus Erkrankungen, die im Zusammenhang mit vorzeitigem Samenergusses stehen, wie zum Beispiel Harnwegsinfekte, Diabetes mellitus, Serotoninmangel oder Schilddrüsenerkrankungen.
  • Auch haben Medikamente wie manche Schmerzmittel gelegentlich einen Einfluss auf die Ejakulation. Dies sollte von einem Arzt abgeklärt werden.

Kontrollverlust und Leistungsdruck

Der Hauptgrund für sekundären vorzeitigen Samenerguss ist jedoch meist Leistungs- oder Versagensangst.

Dazu gehören:

  • geringe Befriedigung beim Sex,
  • wenig Spüren
  • mit den Gedanken bei der ‚richtigen‘ Technik sein
  • Vermeidung von intensiven Bewegungen
  • das Gefühl, keine Kontrolle mehr über den ‚Point of no return‘ zu haben, den Punkt, an dem der Ejakulationsreflex unwiderruflich ausgelöst wird.
  • Erektionsprobleme

Was passiert beim vorzeitigen Samenerguss in deinem Körper?

Anatomisch gesprochen: Der Hauptgrund für den schnellen Schuss ist zu viel Spannung in deinem Körper, vor allem im Beckenboden.

Lass mich das näher erläutern.

Stell dir doch mal vor, wie dein Körper beim Sex beansprucht wird, sagen wir in der Missionarsstellung.

Du stützt dich auf die Ellenbogen und spannst Po- und Oberschenkelmuskulatur an, damit du in dieser Haltung die Kontrolle über deine Stoßbewegungen behalten kannst.

Ist die Bauchmuskulatur angespannt? Sicher.

Und du atmest vermutlich ziemlich wenig und eher oberflächlich oder du hältst die Luft an, damit du dich besser kontrollieren kannst.

Selbstverständlich sind auch die inneren Muskeln deines Unterleibs beteiligt. Zum Beispiel dein Zwerchfell (kein Wunder, dass du nicht tief atmen kannst, denn dafür braucht es ein bewegliches Zwerchfell) und dein Beckenboden.

Der angespannte Beckenboden umgibt die Prostata, und weil die Ejakulation durch die Prostata ausgelöst wird, kommt es unter diesem hohen Spannungsdruck sehr schnell zum auslösenden Reflex.

Dein ganzer Unterleib ist wie ein Dampfkessel, der hochgeht!

Den Samenerguss verzögern

Als Faustregel gilt:

Alles, was über 5 Minuten Geschlechtsverkehr hinausgeht, ist kein vor- oder frühzeitiger Samenerguss.

Vielleicht hast du also gar keinen vorzeitigen Samenerguss. Aber trotzdem willst du länger durchhalten können?

Hier sind unsere Tipps, wie du den Samenerguss verzögern kannst:

Spezielles Beckenbodentraining

Das Beckenbodentraining trainiert den sogenannten PC-Muskel, der sich im Beckenboden befindet und beispielsweise beim Urinieren und Stuhlgang als ‚Abklemmer‘ benutzt wird.

Du spürst ihn vielleicht (noch) gar nicht? Empfehlenswert sind da die sogenannten Kegelübungen, die zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur z.B. bei Inkontinenz und mangelnder Erektion eingesetzt werden.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass es nicht darum geht, diese Muskelgruppe zu stärken wie im Fitnessstudio, bis sie prall und hart ist.

Es geht darum, mehr Kontrolle zu bekommen, weil man die Bewegungen des Beckenbodens besser spürt, wenn man eine Zeit lang geübt hat. Und wenn du sie besser kontrollieren kannst, dann kannst du sie auch willentlich entspannen, und darauf kommt‘s hier an.

Rotieren, nicht stoßen!

Unterstützen kann dich auch dein/e Partner/in zum Beispiel bei anderen Stellungen oder Bewegungen beim Sex.

Zum Beispiel kann es dir helfen, statt des klassischen Rein-raus-Stoßens eine rotierende Bewegung auszuführen.

Das verringert den Erregungsreiz bei dir, und für Frauen ist es meist auch sehr lustvoll, weil sich in dem dabei stimulierten vorderen Bereich der Vagina ihre hocherregbare G-Punkt-Fläche befindet.

Überhaupt ist viel wellenförmige Bewegung deines Unterleibs in unterschiedliche Richtungen sehr förderlich für deinen Genuss am Sex – auch wenn es dir am Anfang schräg vorkommt: wenn du deinen Unterleib einsetzt wie ein Sambatänzer, wächst deine Erregung erheblich – aber kontrollierbar.

Atme!

Du kannst das sogar noch steigern und stabilisieren:

Versuche, während des Sex möglichst oft und tief ein- und auszuatmen.

Wenn du schnell atmest oder gar hechelst, steigerst du Adrenalin- und Kohlendioxidgehalt im Blut und damit die Erregungsenergie.

Wenn du dagegen langsam und bis tief in den Bauch atmest, entspannst du dich und verteilst die Erregungsenergie in deinem ganzen Körper. Manche Männer nutzen diesen Weg aktiv, um in den Zustand eines Ganzkörperorgasmus zu kommen.

Squeeze-Technik

Viele Urologen empfehlen die sogenannte Squeeze-Technik, bei der der Mann, kurz bevor er kommt, kräftig mit drei Fingern die Eichel oder den Penisschaft nahe der Bauchdecke zusammendrückt, bis die Erregung etwas abgeklungen ist, und dann weitermacht.

Das kann natürlich auch der/die Partner/in übernehmen.

Der Nachteil: Der Geschlechtsverkehr muss dafür unterbrochen werden, und du musst in der Lage sein, deinen Point of no return zu erkennen.

Start-Stop-Methode

Eine andere Möglichkeit besteht im Unterbrechen der Stimulation/des Geschlechtsverkehrs eben kurz vor diesem Punkt:

Atme ein paarmal tief durch und warte ein wenig, dann kannst du von neuem beginnen zu stimulieren.

Diese Methode übst du besser erst eine Weile beim Solosex, weil du dann besser spüren kannst, wann es Zeit ist zu stoppen.

Hier eine genaue Beschreibung:

Tipp von Magdalena Wede – Sexologin/Sexualtherapeutin:
„Wenn du deinen ‚Point of no return‘ gar nicht kennst oder wahrnimmst, kannst du dich langsam hinarbeiten, indem du die Vorstellung einer Ampel zu Hilfe nimmst – grün ist ok, gelb ist Warnstufe, rot ist stopp.

Mit der Zeit wirst du das immer besser wahrnehmen und vielleicht verfeinern wollen, zB. mit einer Skala von 1 – 10: der PONR wäre dann bei 9,9, der Orgasmus bei 10.“

Mit der Start-Stop-Methode kannst du dich allmählich unter immer differenzierterer Wahrnehmung erforschen.

Lokale Betäubung als Nothilfe

Für die, die auf die Schnelle eine Lösung suchen:

Rezeptfrei erhältliche Lokalanästhetika, die du dir auf deinen Penis auftragen kannst.

Das betäubt ihn etwas, so dass er weniger spürt.

Nachteil: Du spürst auch weniger, und dein/e Partner/in möglicherweise ebenfalls, also solltet ihr da ein Kondom zusätzlich benutzen. Es gibt auch Kondome mit einer Benzocain-Innenbeschichtung, die ebenso funktionieren.

vorzeitiger-samenerguss-therapie
Die Therapie zum Überwinden des vorzeitigen Samenergusses kann von dir und deiner Partnerin bzw. deinem Partner viel Geduld erfordern. Aber es lohnt sich zu kämpfen, die Aussichten sind gut! Foto: oneinchpunch / Depositphotos.com

Kommunikation

Auch wenn es schwerfällt – sprich über dein Problem mit deiner/m Partner/in.

Sie/Er wird dich wahrscheinlich besser verstehen als du jetzt glaubst und dich unterstützen können.

Und das kann dir helfen, schon mal den emotionalen Druck abzubauen.

Fazit: Übung macht den Meister

Wenn du keinen primären vorzeitigen Samenerguss hast (dann solltest du dir sowieso von einem Arzt helfen lassen), ist dein Vorzeitiger einfach nur ein erlerntes körperliches Verhaltensmuster.

Das Gute daran ist:

du kannst auch wieder umlernen.

Das braucht Zeit und Geduld und Wiederholungen.

Übe allein, bis in deinem Körper der Autopilot übernehmen kann und du dich wieder von deiner/m Partner/in lustvoll ablenken lassen kannst.

Tipp von Magdalena Wede – Sexologin/Sexualtherapeutin:
„Verabschiede dich von deinem Leistungsdruck, erkläre deiner/m Partner/in, was und wofür du da übst, trainiere den PC-Muskel (das geht auch wunderbar in einer Zigarettenpause oder in einer Warteschlange), verbessere deine Körperwahrnehmung, probiere es mit mehr Bewegung beim Sex, atme tief und auch gern laut – genieße dich dabei und werde kreativ, mit all diesen Möglichkeiten zu spielen.“
Vorzeitiger Samenerguss – Was hilft?
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